Aufbruch

     Der Sanitäter sprühte noch eine Schutzverband auf Kerasors verletzen Arm und Kerasor  sich einen Vorwurf nicht verkneifen.

 "Das hat aber mächtig lange gedauert, bis ihr den Attentäter entdeckt hattet."
 "Tut mir Leid, Junge, tut mir leid. Aber dieser Attentäter, eigentlich waren es zwei – ein Kolmer und ein Roboter, war so perfekt getarnt, daß wir keinerlei verräterische Impulse empfangen konnten. Deren Tarnung war fast perfekt und hätten wir sie nicht entdeckt, käme einer der Gardisten nicht auf den Gedanken, daß Furubs nie soweit nach Süden fliegen – es hätte eine Katastrophe gegeben. So wie es aussah, war das Mistding auf euch jungen Kerle vom Queran-Klan geeicht. Es stürzte direkt auf euren Standort zu."
 "Und der andere Terrorist, habt ihr den wenigstens schon?" wollte Kerasor noch wissen.
 "Ja! Vor zwei Stunden erwischten wir ihn, als er in den Palast eindringen konnte. Leider hat er bei seiner Entdeckung eine Bombe gezündet. Außer dem Terroristen und einigen zerstörten Räumen im Palast gab es keine weiteren Schäden!" Pacheopalan unterbrach sein Gespräch mit dem jungen Queran und dirigierte seine Spezialisten, die mit speziellen Suchgeräten und -robotern die Fragmente in der Umgebung zusammensuchten.
 "Wie geht es der Besatzung von Gleiter Zortor-4?" erkundigte er sich über Interkom. Kerasor konnte die leise Antwort hören.
 "Wir haben sie geborgen, alle vier Mann müssen ins Hospital, haben schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen abbekommen, getötet wurde niemand."
 Pacheopalan wandte sich wieder seinem Zögling zu. "Das war nun das erste Attentat auf Dich und hast es überlebt! Wir wissen noch nicht, wer dahinter steckt. Es kämen etliche Familien in Frage, die es nicht gerne sehen, daß dieser Sektor von Kolonial-Arkoniden regiert wird! Es kann auch mit Deinem Besuch der Akademie von Varynkor zusammenhängen. Ich werde dich und den Akademie-Leiter von unseren Nachforschungen in Kenntnis setzen. Du siehst, daß Du ab sofort immer mit einen Anschlag auf Deine Person rechnen mußt, egal wie sicher dir die Umgebung erscheint. Dieses hier wird sich noch oft wiederholen, meist aber nicht so glimpflich ausgehend. Kann ich dich noch mitnehmen?"
 "Nicht nötig" erwiederte der junge Tamanarer. Ich bin mit meiner Hartella hier und fahre anschließend in die Klinik. Sehen wir uns noch, bevor ich abreise?"
 "Weiß ich noch nicht – aber mach's dennoch gut!" Damit reichte ihm Pacheopalan die Hand. Gedanken an Jakinam nachhängend, ging Kerasor in das Freizeithaus zurück und holte das Musikinstrument. Er verabschiedete sich noch von den Blauen Blitzen. Für alle war dieser Anschlag das erste schwerwiegende Ereignis und dementsprechend geschockt, herrschte Stille in der Runde. Er wandte sich an Uwolan und Harrasch.
 "Ich denke, es ist besser, wir sollten alle nach Hause gehen und dieses Attentat erst mal verkraften. Es war für uns alle ein schlimmes Ereignis und es betrübt mich, daß für mich dieser Abschied so unfreundlich endete. Ich bin sehr froh, daß niemand getötet wurde." Zustimmend nickten beide Tamanarer.
 "Ich werde nach Hause fliegen und mich einige Stunden hinlegen" murmelte Uwolan zurück.
 "Auch ich werde mich erst mal sammeln und den restlichen Tag so schnell wie möglich hinter mich bringen" kam von Harrasch. "Gut, Kerasor, ich wünsche dir trotzdem alles Gute für die Zeit auf der Akademie und laß von Dir hören!"
 Damit drückte er Kerasors Hand, sich an einem Lächeln versuchend. Danach trennten sich ihre Wege. Kerasor nahm die Valora, verstaute sie in seiner Maschine und flog nach Hause. Seine Gedanken kreisten um Jakinam, während er zurück in seinen Wohnbereich im Trichter des Regierungspalastes zurückkehrte. Er packte das Musikinstrument zu den Sachen, die er mit zur Akademie nehmen wollte. Noch 6 Stunden und erste Zweifel tauchten in ihm auf, ob jetzt der geeignete Augenblick wäre, Jakinam und Tamanar zu verlassen, nur um auf diese seltsame Akademie zu gehen. Seine Freundin würde ihn jetzt und hier brauchen, sehr brauchen. Zwar hatten sie in der Poran-Klinik Spitzenleute in der Psychiatrie, aber der Liebsten sollte man in diesen Momenten beistehen.
 Solche und andere Gedanken ließen Kerasor die nächste Stunde nicht zur Ruhe kommen. Schließlich war er bereit, seine Abreise zu verschieben und die nächsten Tage bei Jakinam zu verbringen. Er würde erst aufbrechen, wenn sie wieder gesund war.
 Kerasor wurde aus seinen Gedanken gerissen, als sich ein Besucher an der Eingangstür meldete. Er öffnete über Fernbedienung. Queran kam herein und blieb vor Kerasor stehen!
 Beide sahen sich lange in die Augen, dann umarmte sie sich! Behutsam, so wie sein Vater immer zu ihm war, unterhielten sie sich über die Ereignisse der letzten Stunden. Kerasor teilte ihm seinen Entschluß mit, erst nach Jakinams Genesung Tamanar zu verlassen!
 "In jeder anderen Situation würde ich Dir Recht geben, mein Sohn, aber nicht in dieser! Du mußt heute nach Varynkor aufbrechen! Es war sowieso recht schwierig, die Schulleitung zu überzeugen, Dich Wochen nach dem Schulbeginn noch aufzunehmen. Aber es sind noch andere Leute dabei, die verspätet ankommen! Jakinam wird leider auf Dich verzichten müssen! Ich weiß, wie schwer das Dir und Ihr fallen muß, aber es gibt keinen anderen Weg!"
 Queran blieb noch zwanzig Zeiteinheiten, dann hatte er Kerasor überzeugt, auf die Akademie zu gehen. Kerasor aktivierte den Holoprojektor und er verbrachte zwei Stunden, in denen er Jakinam alles zu erklären versuchte, ihr sagte, daß er sie liebe und noch vieles mehr, was Verliebte sich zu sagen hatten.
 Die Sonne neigte sich dem Horizont und Kerasor bestellte sich einen Gleiter. Vor-sichtig verstaute er das Gepäck im Gleiter, anschließend flogen sie zur Panol-Klinik. Jakinams Operation war erfolgreich abgeschlossen, aber sie lag noch für die restliche Nacht in der Regenerierungskammer im Tiefschlaf. Etliche Minuten harrte er vor der Kammer aus, doch sie wachte nicht auf. Er postierte den Holowürfel so im Zimmer, daß sie ihn nicht übersehen konnte, stellte zwei Sträuße mit Fistal-Blumen dazu. Mit einem Ruck drehte Kerasor sich schließlich um und verließ das Hospital.
 Wortlos ließ er sich zum Raumhafen bringen, wo inzwischen die MANATO gelandet war. Kerasor begab sich in den Aufnahmebereich und meldete sich an. Nach einer halben Stunde Wartezeit, die ihm wesentlich länger vorkam, wurden die Passagiere an Bord gelassen. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu Jakinam zurück. Was sie wohl sagen würde, wenn sie erwachte, was sie tun würde, wenn sie seine Nachricht sah.
 Schweren Herzens bezog er die ihm zugewiesene Kabine, legte sich auf das Bett. Den vorbereiteten Begrüßungscocktail rührte er nicht an. Als der Passagierraumer startete, sah er zu dem Panoramaschirm, wo seine Heimatwelt immer kleiner und kleiner wurde. Eine grün-blaue Kugel – das war Tamanar. Der orangegrüne Mond kam dazu. So schwer wie heute war ihm der Abschied von der Heimatwelt noch nie gefallen. Der Planet wurde immer kleiner, Kerasors Augen schlossen sich im gleichen Maß, wie Tamanar aus der Sichtweite verschwand. Er registrierte dessen Verschwinden nicht mehr. Friedlich war er eingeschlummert. Von den Sorgen im Moment befreit, ruhte er sich aus. Die Zukunft wartete auf ihn, seine Träume würden ihn auf sie vorbereiten.
 
Ende
 

 

 

 

 

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