Begegnungen (Tartor 14.597 d. A.) – Teil 2

vier Pragos später – Anfang Tedar 14.598 da Ark

Nach dem gemeinsamen Essen der Herrscherfamilie der ‚de Ariga‘ ergriff Onuk das Wort: „Wir haben heute vom Khasurn der ‚del Harkon‘ eine Einladung zur Hochzeit von Ultral I. del‘moas Harkon und Onythia de Chihan erhalten. Es ist der ausdrückliche Wunsch von Ultral. I del‘moas Harkon, das Merida an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilnimmt, damit sie und Charrut del Harkon Gelegenheit haben, sich kennenzulernen. Dem kann ich nur zustimmen.“ Onuk sah seine Tochter Merida an, um ihre Reaktion zu erkennen. Aber Merida machte ein nichtssagendes Gesicht. Nach einigen Augenblicken warf er einen kurzen Blick auf seine KSOL, bevor er fort fuhr: „ Die Hochzeit findet am 14. Prago to Ansoor statt. Leider werde ich nicht daran teilnehmen können, da ich zu dieser Zeit auf einer bereits länger geplanten Inspektionsreise bin. Daher werden Merida und Adara in den Elimor-Sektor fliegen. Während meiner Abwesentheit wird wie immer Arano mich hier auf Ariga in allen wesentlichen geschäftlichen Dingen vertreten.“

Onuk sah sich um, ob irgendjemand eine Frage hierzu hatte, aber dem war nicht so.

‚…in allen wesentlichen geschäftlichen Dingen vertreten‘ ging es Arano durch den Kopf. Er hasste es, wieder nur den Handlanger spielen zu dürfen. Wie üblich würde es bedeuten, dass sein Vater für alle Eventualitäten genaue Vorgaben machte, er keinen eigenen Spielraum hatte. Aber er musste es noch einmal über sich ergehen lassen. Nur noch einmal, dann würde er den Khasurn nach einer gewissen Übergangszeit führen. Er allein! Innerlich atmete Arano erleichtert auf. Sein Vater würde also an dem Zeitplan festhalten, den er für die nächsten Vothanii aufgestellt hatte.

„Nun, dann hebe ich das gemeinsame Abendmahl auf“ teilte Onuk mit, und stand auf. Alle erhoben sich ebenfalls und verließen in verschiedene Richtungen den Speisesaal.

* * *

nochmal einige Pragos später

Missmutig lief Pal’athor Rodir de Qua‘chmor durch die regionale TDA-Zentrale. Seitdem zwei seiner Einsatzpläne nicht erfolgreich abgeschlossen worden waren, hatte er bei den anderen Führungsmitgliedern der TDA-Untersektion keinen leichten Stand. Auch wenn sie es nicht sagten, spürte er ihre Zweifel an seiner militärischen Kompetenz. Seine eigene Unzufriedenheit und der gefühlte Zweifel an seiner Kompetenz ließ ihn missmutig sein.

Er warf einen Blick auf sein Vot. In einigen Tontas musste er wieder zurück auf seinem Schiff sein. Es war schon gefährlich genug, von Zeit zu Zeit hier in dieser Untersektion der TDA zu erscheinen, aber es musste sein. Gefährlicher war schon seine Doppeltätigkeit als Offizier der imperialen Flotte einerseits und als TDA-Mitglied andererseits. Bisher hatte er alle Tests bestanden, die die Tu-Ra-Cel von den Führungsoffizieren abverlangte.

Ein Mitarbeiter vor einer der Konsolen sah ihn an und hob einen Arm, damit Pal’athor Rodir de Qua‘chmor zu ihm kommen möge. Als er den Mann erreichte, blickte er ihn fragend an.

„Zhdopandel, die Zentrale hat uns ein neues Mitglied aus unserem Sektor zugewiesen. Es ist ein gewisser ‚Arano de Ariga‘. Die Zentrale weist uns an, wie üblich, diesen Arano de Ariga bei aller gebotenen Vorsicht zu unterstützen, soweit es möglich ist“.

„Was wissen wir über diesen Zweig der ‚de Arigas‘?“ fragte er.

„Für uns interessant ist: sie werden uns bei Bedarf 60 Kampfschiffe ihrer Khasurnflotte zur Verfügung stellen, wenn wir diese benötigen, davon mindestens 15 Schiffe der FUSUF-Klasse“.

Er pfiff leise anerkennend.

„Wie sollen wir diesen Arano de Ariga unterstützen?“

Der Mitarbeiter warf einen Blick auf die bedruckte Kunststofffolie, die er in den Händen hielt und erwiderte: „Eigentlich sind es sogar zwei Dinge, die im direkten Zusammenhang stehen. Er will, dass wir seinen Karan, Onuk de’moas Ariga beseitigen und gleichzeitig die Hochzeit seiner Schwester mit einem Adligen aus dem Khasurn der Harkonii verhindern. Das Problem für diesen Arano de Ariga stellt die Zeit dar. Insbesondere die Beseitigung des Karans ist laut den vorhandenen Informationen in den nächsten zwei Vothanii zu erledigen.“

Als er den Namen des Khasurns hörte, Harkon, hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis. Ein Harkonii hatte damals, vor ungefähr fünf Vothanii, für seine erste Niederlage gesorgt. Zwar war der Einsatz im Elimor-Sektor im Prinzip nur ein Test gewesen, wie weit die Organisation im Machtzentrum von Arkon Fuß fassen konnte, aber nichts desto Trotz war er verärgert darüber, dass ausgerechnet er eine Niederlage erlitten hatte.

„Wie lautet der Name dieses Harkonii?“ fragte er barscher als es angebracht war. Der Mitarbeiter sah ihn kurz überrascht an, warf erneut einen Blick auf die Kunststofffolie und erwiderte: „Es ist ein gewisser Charrut del Harkon, Zhdopandel.“

Pal’athor Rodir de Qua’chmor traute seinen Ohren nicht. Sollte es wahr sein? Genau dieser Harkonii hatte damals für seine erste Niederlage gesorgt. Und nun wurde er damit beauftragt, dessen Hochzeit mit der Schwester des neuen Mitglieds der TDA zu verhindern! Er hatte nicht gedacht, dass sich ihre Wege noch einmal kreuzen würden.

Rodir de Qua’chmor überlegte. ‚Er musste die Rahmenbedingungen wissen, wie man am besten den Karan dieses Arano de Ariga beseitigen und die Hochzeit seiner Schwester unterbinden konnte‘. Vielleicht…

An den Mitarbeiter gewandt sagte er: „Ich muss jetzt wieder zurück zu meinem Schiff. In einigen Pragos bin ich wieder hier. Bis dahin holen Sie Informationen ein, unter welchen Bedingungen eine Beseitigung des Karans durchgeführt und wie die Hochzeit seiner Schwester verhindert werden kann. Entwerfen Sie auf Basis dieser Daten einige Szenarien. Ich werde mir diese nach meiner Rückkehr ansehen.“

Ti'Ghen, Zhdopandel!‘ kam als Bestätigung vom Mitarbeiter.

Mit einem viel besseren Gefühl als noch vor wenigen Palbertontas machte sich Pal’athor Rodir de Qua’chmor auf den Weg zur Transmitterstation.

* * *

einen Berlenprag später

Seit mehreren Tontas saß Pal’athor Rodir de Qua’chmor bereits am Positronik-Terminal der TDA-Zentrale und ging diverse Einsatz-Szenarien durch, die seine Mitarbeiter erarbeitet hatten, um sie zu bewerten. Zwei Vorgehensweisen hatten sich herauskristallisiert, wie der Karan von Arano de Ariga beseitigt werden konnte: Die eine Möglichkeit sah vor, dass auf einem Planeten, welchen das Khasurnoberhaupt während seiner Inspektionsreise besuchte, ein Unfall geschah, die andere Variante, das Transitionstriebwerk erleidet während der Inspektionsreise eine ‚Fehlfunktion‘und explodiert. Nun wartete er auf das Ergebnis der Positronik, die die Erfolgsaussichten bewertete. Während dessen schweiften seine Gedanken immer wieder zu einer anderen Person ab: Charrut del Harkon. Niemand musste es erfahren, dass seine Intention persönlicher Natur war, wenn er nicht nur die Hochzeit verhinderte, sondern auch die Niederlage von damals ausmerzen wollte. Jetzt hatte er die Gelegenheit dazu. Er musste es nur geschickt anstellen, dann konnte er sich bei diesem Charrut del Harkon für seinen missglückten Einsatz ‚revanchieren‘.Was konnte er schließlich dafür, dass der damalige Tato Kerel nert'tiga Harkon es nicht fertig gebracht hatte, trotz Unterstützung von angeheuerten Parias und Gefangennahme des Harkonii-Oberhauptes den Auftrag zu erfüllen? Wenn er nur unfähige Mitarbeiter zur Verfügung gestellt bekam, war es auch nicht verwunderlich, dass selbst so einfache Aufträge nicht erfolgreich durchgeführt werden konnten.

* * *

23. Prago to Tedar 14.598 da Ark

Alle notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung von Onuk de’moas Ariga, dem Karan von Arano de Ariga, waren ergriffen worden. Der Empfehlung der Stationspositronik folgend, war ein Wartungstechniker, der in den Diensten der Arigas stand, bestochen worden, eine Sprengladung an den Strukturkonverter des Transitionstriebwerks anzubringen. Der Strukturkonverter des Schiffes, mit dem das Khasurnoberhaupt seine Inspektionsreise unternehmen würde, würde nach einer vorgegebenen Anzahl von Transitionen beim Aufbau des Entmaterialisierungsfeldes explodieren und das sich im Aufbau befindliche 5D-Feld würde alle Materie in seinem Bereich in den 5D-Raum abstrahlen. So würde weder vom Schiff noch von der Besatzung etwas übrig bleiben. Mit einer Quote von 99,9% Wahrscheinlichkeit würde eine beauftragte Untersuchungskommission zu dem Schluss kommen, dass hier ein technischer Defekt vorgelegen habe. Danach würde der Khasurnrat beschließen, dass die Khasurnführung an den Sohn, Arano de Ariga übergehen würde. ‚So oder so ähnlich würde es in zwei Berlenprags geschehen, wenn der Khasurnführer der ‚de Arigas‘ auf seinen Inspektionsflug gehen würde‘, sagte sich Pal’athor Rodir de Qua’chmor und lehnte sich zufrieden in seinem Sessel zurück und warf dabei einen Blick durch das Panoramafenster seines Büros in die weitläufige TDA-Zentrale. Das war der leichtere Teil gewesen. Jetzt musste er sich um den Teil kümmern, der wesentlich schwieriger war: die Verhinderung der Hochzeit dieser Merida de Ariga mit dem Mann, dem er seine erste Niederlage bei einer militärischen Operation zu verdanken hatte. Dieser Teil war deswegen schwerer zu bewältigen, weil er diesen Mann gefangen nehmen wollte. Das war seine ganz persönliche Intension, nicht die der TDA. Er hoffte, dass er mit der Gefangennahme den vor vielen Vothanii fehlgeschlagenen Einsatz doch noch erfolgreich zu Ende bringen konnte. Dieser Charrut del Harkon gab sicherlich eine gute Geisel ab.

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