Begegnungen (Tartor 14.597 d. A.) – Teil 2


„Verzeihen Sie mein verspätetes Erscheinen, aber ich musste mir sicher sein, dass es sich bei Ihnen um die Personen handelt, die mir angekündigt wurden.“

Arano warf einen kurzen Blick zu seiner Frau, um zu sehen, ob sie noch an dem Treffen interessiert war. Isandra nickte ihm unmerklich zu. Arano wandte sich wieder an den Unbekannten und machte eine einladende Geste.

„Bitte, nehmen Sie Platz!

Nachdem sich der Fremde gesetzt hatte, sah er Arano und Isandra an und fragte: „Sie wünschen sich Kontakt zur Than da Ark, auch bekannt als TDA. Sie wissen, was das Ziel der TDA ist?“

Bevor Arano antworten konnte, ergriff Isandra das Wort.

„Nun, die TDA sucht Mitstreiter, die das Imperium wieder auf seine äonenalten Fundamenten stellen wollen. Dafür ist sie auf der Suche nach Möglichkeiten, dieses umzusetzen. Finanzielle als auch materielle Unterstützung ist der Organisation sicherlich willkommen, um den Kampf gegen diese Witzfigur eines Imperators zu führen. Liegen wir da falsch mit unserer Einschätzung?“ Isandra hatte etwas ins Blaue spekuliert, basierend auf den Gerüchten, die sie über die TDA erfahren hatte. Jetzt musste es sich zeigen, ob sie damit daneben lag oder ins Schwarze getroffen hatte.

Der Fremde lehnte sich zurück und sah sie abwechselnd an, bevor er antwortete: „Sie haben Recht. Wir sind auf der Suche nach Personen, die uns aus moralischen und historischen Gründen unterstützen wollen. Der Weg, den der Imperator geht, ist nicht unserer. Wir werden alles in unserer Kraft stehende tun, um den Imperator aufzuhalten. Wenn es sein muss auch mit Waffengewalt! Wie Sie es schon selbst gesagt haben benötigt die Organisation neben finanzieller auch materielle Unterstützung. Als Gegenleistung steht Ihnen die Organisation mit ihren Möglichkeiten zur Seite. Und wenn der Imperator abgesetzt und Recht und Ordnung wiederhergestellt worden ist, werden wir unsere Unterstützer nicht vergessen, sondern sich ihrer erinnern!“

Der Fremde beobachtete beide, wie seine Ausführungen angenommen wurden. Bei Arano de Ariga sah er kein Mienenspiel im Gesicht, aber bei dessen Frau, Isandra. Bei ihr hatte er das Gefühl, dass er genau das gesagt hatte, was sie hören wollte.

Nach einigen Augenblicken fragte er: „Wie kann Ihnen die TDA behilflich sein?“

Isandra warf einen auffordernden Blick zu Arano. Arano räusperte sich, bevor er erwiderte: „Es ist Zeit, dass die Khasurnführung in fähigere Hände übergeben wird; in meine. Aber mein Karan ist nicht bereit, endlich die Khasurnführung an mich zu übergeben und…“ und wurde von seiner Frau Isandra unterbrochen, die den Satz vervollständigte: „…und er ist ein Anhänger des Imperators, während wir die Alte Ordnung wiederhergestellt wissen wollen. Darum muss er beseitigt werden!“

Der Fremde nickte. „Das sollte für die TDA kein Problem darstellen. Uns ist es sowieso lieber, an der Spitze eines Khasurns einen Führer zu haben, der die Traditionen des Adels fortführen will.“

Einen Augenblick herrschte Ruhe, sowohl Arano wie auch Isandra dachten nach. Die Kontaktperson spürte, dass er beide noch nicht vollends überzeugt hatte und ergriff daher nochmals das Wort: „Mit unserer Hilfe können Sie Ihre Probleme elegant lösen und hätten außerdem Rückendeckung durch eine starke Organisation für Ihre zukünftigen ‚Geschäfte‘. Wir sind ein verlässlicher Partner. Sie und wir wollen doch im Prinzip dasselbe: Die Ablösung des Imperators und die Wiederherstellung der Traditionen!“

„Und welchen Preis müssten wir zahlen, wenn wir die Hilfe Ihrer Organisation in Anspruch nehmen?“ fragte Isandra.

Die Kontaktperson holte eine KSOL aus einer verborgenen Tasche des Anzugs, aktivierte diese und studierte kurz die Anzeige, bevor er sich wieder an Isandra und Arano wendete: „Nun, Ihr Khasurn bietet einige interessante Möglichkeiten, die uns im Kampf gegen den Imperator gelegen kommen. Da wären Kampfroboter, die Sie herstellen, wertvolle Hyperkristalle die Sie schürfen, Erzlieferungen die wir gut gebrauchen können oder Sie stellen uns eine ausreichende Anzahl Kampfschiffe der Khasurnflotte zur Verfügung, wenn wir sie benötigen. Sozusagen auf Abruf.“

Arano wurde blaß, ihn erfasste ein Schwindelgefühl. ‚…Kampfroboter, Hyperkristalle, Erzlieferungen, Teile der Khasurnflotte‘. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? In Gedanken ging er die Möglichkeiten durch. Erzlieferungen kamen aufgrund der angespannten Erzförderung nicht in Frage. Sein Karan war deswegen diese erbärmliche Allianz mit dem Khasurn der Harkonii eingegangen. Hyperkristalle wurden zwar abgebaut, aber die Menge war einfach zu gering, um einen größeren Posten abzuzweigen. Blieben nur noch die Kampfroboter und die Khasurnflotte. Er musste wissen, in welcher Größenordnung die TDA hier einen Bedarf einplante.

Arano sah den Fremden an und fragte: „In welcher Größenordnung bewegen wir uns bei den Kampfrobotern und der Khasurnflotte?“

„Sie werden sicherlich verstehen, dass die gewünschten Ressourcen auch als Loyalität für uns, für den Widerstand gegen den Imperator angesehen wird“. Der Fremde machte eine kurze Pause, um seine Worte wirken zu lassen. Ganz bewusst hatte er die Begriffe ‚Loyalität‘ und ‚Widerstand‘ benutzt, um seine Gesprächspartner auf die Forderungen der TDA einzustimmen. „Wir gehen davon aus, dass Ihnen die Mitgliedschaft in der TDA und die Hilfe, die wir Ihnen gewähren, 8.000 Kampfroboter vom Typ IKR-2-37 oder aber 80 Kampfschiffe der Khasurnflotte wert sind!“

„Unmöglich, “ platzte es aus Arano heraus, „das ist viel zuviel für zwei Gefallen, die Sie erbringen. Überdenken Sie nochmals Ihre Wünsche!“. Arano hatte zum Schluss mit einer verärgerten Stimme gesprochen, der man die Wut anhörte, bei diesem Geschäft übervorteilt zu werden.

Der Fremde, Itori Zhokal, stöhnte innerlich auf. Wie hasste er diese Gespräche mit Mitgliedern der Adelsschicht. Jeder von denen wollte alles haben, mit beiden Händen gierig nach irgendwelchen Vorteilen oder Besitztümern greifen, aber wenn es darum ging, etwas für andere zu leisten oder etwas herzugeben, dann wurde selbst um den letzten Krümel geschachert. Aber mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt und trotzdem regte er sich immer wieder darüber auf. Er hatte sich angewöhnt, am Anfang mehr zu fordern als die TDA erwartete, um dann während der Verhandlungen letztendlich auf die Menge zu kommen, die ihm als Minimalwert vorgegeben war.

„Ich kann etwas entgegen kommen“ erwiderte der Fremde. „7.000 Kampfroboter oder 70 Schiffe der Khasurnflotte“.

Arano machte mit den Händen eine entschiedene verneinende Geste. „Das ist immer noch zuviel. Darauf lasse ich mich nicht ein!“

Isandra wollte etwas sagen, aber Arano warf ihr einen Blick zu, der sie verstummen ließ.

„Was würden Sie als angemessene Gegenwert für Ihre zwei Forderungen sehen?“ fragte der Fremde zurück.

Arano lehnte sich in seinem Sitz zurück und warf den Fremden einen abschätzenden Blick zu. Er dachte nach. Er würde sich auf Schiffe der Khasurnflotte festlegen. Es war einfacher, einzelne Schiffe der Khasurnflotte, die über den vom Khasurn der ‚de Ariga‘ verwalteten Sektor verteilt waren, im Falle des Falles abzuziehen als mehrere tausend Kampfroboter an den positronischen Kontrolinstanzen vorbei ‚abzuzweigen‘.

Er beugte sich am Tisch vor und erwiderte: „Ich werde der TDA 60 Kampfschiffe zur Verfügung stellen, wenn diese benötigt werden. Das ist mein Angebot. Nehmen Sie es an oder wir gehen unserer Wege und dieses Gespräch hat nie stattgefunden!“

Zhokal tat, als müsste er über das Angebot von Arano de Ariga nachdenken. Er wollte jedoch nur Zeit gewinnen. Es sollte für seine Gesprächspartner so aussehen, als würde er mit sich innerlich ringen. Seine Auftraggeber hatten ihm als unterstes Ziel 50 Kampfschiffe vorgegeben; wenn er mit einer höheren zugesagten Anzahl an Schiffen zurückkam, konnte es nur gut für ihn sein.

Der Unbekannte seufzte leicht, bevor er antwortete: „Unter der Voraussetzung, dass die uns zugesicherten Kampfschiffe mindestens 15 Einheiten der FUSUF-Klasse enthalten, bin ich mit Ihrem Angebot einverstanden“.

Isandra spürte, dass ihr Mann immer noch nicht ganz überzeugt war und mit sich haderte, eine entgültige Entscheidung zu treffen und sich damit festzulegen. Darum sah sie ihn direkt in die Augen und erwiderte in Richtung des Fremden: „Das ist kein Problem. Wir werden Ihnen, wenn es soweit ist, die 60 Kampfschiffe, davon 15 Schiffe der FUSUF-Klasse zur Verfügung stellen. Mein Mann wird sich darum kümmern. Vorausgesetzt, Ihre Organisation erledigt vorher die zwei Aufgaben zu unserer Zufriedenheit!“

„Selbstverständlich! Sie können sich auf uns verlassen.“

Arano warf einen erleichterten und dankbaren Blick zu seiner Frau, bevor er sich an den Fremden wandte und erwiderte: „Das ist in etwa das, was wir uns vorgestellt haben. Sie können mit der Unterstützung seitens meiner Frau und mir rechnen.“

Itori Zhokal wirkte erleichtert, als er sagte: „Dann benötige ich jetzt nur noch eine COM-ID, unter der die Organisation sie erreichen kann. Man wird sich in den nächsten Pragos mit Ihnen in Verbindung setzen, um alles weitere detailliert zu klären.“

Arano hob eine seiner Hände vom Tisch und machte eine achtungsgebietende Geste. „Da wäre noch etwas! Mein Karan hat vor wenigen Pragos eine Hochzeit meiner Schwester Merida in einen unwürdigen, imperatornahen Khasurn vereinbart. Diese Hochzeit darf nicht stattfinden. Und meiner Schwester darf dabei natürlich nichts geschehen!“

Itori Zhokal nickte und erwiderte: „Auch das ist kein Problem. Ich benötige aber weitere Informationen: wie heisst der Khasurn, wer soll ihre Schwester heiraten usw.“

Arano holte eine kleine, bedruckte Kunststofffolie aus einer Anzugstasche und schob sie auf dem Tisch zu dem Fremden, der sie aufnahm, kurz durchlas und dann anerkennend sagte: „Sie sind vorsichtig, das gefällt mir. Je weniger verräterischer Funkverkehr nötig ist, umso sicherer ist es“. Er steckte die kleine Kunsttofffolie ein und stand auf.

„Wir werden uns nie wieder sehen. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Aufenthalt. Er verneigte sich, verließ ihren Tisch und danach das Restaurant.

Nachdem die Kontaktperson der TDA das Restaurant verlassen hatte, sagte Arano leise: „Ich habe das Gefühl, als ob ich eben einen großen Fehler gemacht habe“.

Isandra schüttelte den Kopf und erwiderte energisch: „Nein, hast du nicht. Du hast das einzig Vernünftige getan, um den Khasurn wieder auf den richtigen Weg zu bringen“. Sie zweifelte manchmal, ob Arano überhaupt der richtige Mann für sie war. Aber sie sagte dann zu sich selbst, dass es wohl so von den She’Huhan vorgesehen war.

Sie legte ihre Hand auf Aranos Hand, die auf dem Tisch lag, setzte ein Gesicht auf und sagte leise. „Lass uns etwas zu Essen bestellen, bevor wir wieder zum Khasurn fliegen. Hier sind wir wenigstens ungestört.“

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