Tomalak

 
Jürgen Hermann
  
Ein Nachruf von Harald Schäfer
 
  Wir sind es im Perry-Rhodan-Fandom schon gewohnt, zu trauern. Viele Mitarbeiter der Perry-Rhodan-Serie sind in den letzten Jahren gestorben. Sie haben schmerz­hafte Lücken hinterlassen. Für die Leserschaft konnten diese Lücken wieder aufgefüllt werden. Für die Angehörigen und Freunde blieben nur noch Erinnerungen.
  Eine äußerst schmerzhafte Lücke riß nun auch Jürgen Hermann, Gremiums- und Gründungsmitglied des PRC ARGE FESTAK, der für uns alle überraschend am 5. Januar 1996 im Alter von 39 Jahren verstarb, nicht nur bei seiner Mutter und seinen Freunden.
  Ich lernte Jürgen vor etwa 15 Jahren kennen. Ich war erst kurz zuvor in Follow eingetreten und am Sylvester-Con 80/81 in Passau auf Bernard Stössel (bekannt als Rißzeichner früherer Tage) und Thomas Kugler getroffen. Beide waren auch Mitglieder im Nürnberger Perry-Rhodan-Club Last Hope. Und in eben diesen PRC war auch Jürgen, ich glaube er hat damals den Club noch geleitet. Ob Jürgen bereits damals in Follow war oder erst danach eingetreten ist, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls trafen wir uns öfters in Sachen Follow in Bernards Atelier und gingen danach zum Pizza-Essen oder ähnlichem.
  In dieser Zeit hatte ich nur eine sehr oberflächlichen Kontakt zu Jürgen. Irgendwie lagen wir nicht auf der gleichen Welle. Aber soweit ich weiß, war sein Fabel für Modellbau schon damals sehr ausgeprägt.
  Irgendwann gab es Knatsch im PRC Last Hope. Jürgen trat dort und aus Follow aus. Sein neues Betätigungsfeld war das Startrek-Fandom, für das er sich begeisterte und dem er bis zum Schluß treu geblieben ist.
  Danach traf ich Jürgen nur noch sporadisch bei einer Fantasy-Rollenspiel-Kam­pag­ne, die Thomas veranstaltete, bei Geburtstagsfeiern etc. Mit der Zeit verloren wir uns ganz aus den Augen. Mehrere Jahre, lang gingen wir unsere eigenen Wege, bis sich im Oktober 1990 Jürgen wieder bei mir meldete. Er suchte noch Mitspieler für ein Rollenspiel, das im Startrek-Universum an­ge­siedelt war. Ich sagte zu, doch das Rollenspiel fand nie statt. Der Kontakt aber war wieder hergestellt.
  Ich suchte ebenfalls jemand als Mitspieler für die PR-Raumkampfsimulation und Jürgen war interessiert. Zusammen mit Thomas spielten wir regelmäßig Szenarien durch und waren begeistert.
  Bereits zu dieser Zeit bemerkte ich, daß sich das Startrek-Fandom äußerst positiv auf Jürgen ausgewirkt hatte. Ich konnte mich mit ihm plötzlich stundenlang über alle möglichen Themen unterhalten, ohne mich zu langweilen. Er war offen und ehrlich, haßte Intrigenspielchen jeder Art. Er hatte in vielen Dingen ein enormes Hintergrundwissen, z.B. über den Tauschsport, den er als Schritt zu einer anderen Welt interpretierte und den er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, oder über Kriegsschiffe im ersten und zweiten Weltkrieg. Ich erinnere mich immer wieder gern an den Anblick, wenn er vor der Spielplatte stand, mit beiden Fäusten am Rand abgestützt, und die gegenwärtige Situation betrachtete. Ich nannte es die Admiralspose. Wenn er seine Raumschiffe aufstellte, dann stellte er Vergleiche mit der deutschen und der englischen Marine an, und so manche Aufstellung zu einer Seeschlacht und deren Verlauf bekam ich gratis mitgeliefert.
  Thomas fiel dann wegen Zeitmangels aus. Jürgen und ich trafen uns trotzdem regelmäßig. Das Spiel war nur ein Teil der Treffen. Meistens entwickelte sich ein interessanter Gedankenaustausch. Wenn uns die Wartezeit zwischen den Spieletreffen zu lang wurde, griffen wir zum Telefon. Das gipfelte darin, daß wir zu PRC ARGE FESTAK-Zeiten mindestens zweimal die Woche telefonierten und zwar sehr ausdauernd. Ich denke damals wurde der Keim zu einer sehr intensiven aber leider relativ kurzen Freundschaft gelegt.
  Im Herbst 1993 erfuhr ich von Harald Großhauser, daß ein gewisser Dieter Reich einen Perry-Rhodan-Treff veranstaltete. Treffpunkt war die Behausung von Manuel Schenkluhn. Ich informierte auch Jürgen darüber, eigentlich ohne Hoffnung, daß er mitfahren würde. Denn seit seinem Austritt aus dem PRC Last Hope lehnte er Kontakte zum PR-Fandom kategorisch ab. Doch eine Äußerung von Harald Großhauser, daß Dieter Reich einen PR-Club gründen wolle, der alle Facetten des PR-Univer­sums beleuchten sollte, vorallem aber den Simulationsgedanken, war für Jürgen ein Signal, daß an der Sache was dran sein könnte.
  So fuhren wir beide nach Velburg. Wir lernten dort neben Dieter und Manuel auch Thomas Meier und Christian Scheidt kennen. Der Abend erbrachte, daß wir uns prima ergänzten. Jürgens Erfahrung im Startrek-Fandom, seine Modellbau-Erfah­rung und unsere Erfahrung im Umgang mit der PR-Raumkampfsimulation, Dieters Kennt­­nisse des Perry-Rhodan-Universums, seine Kontakte zum Fandom, seine künstlerischen, literarischen und organisatorischen Fähigkeiten, Manuel und Thomas mit ihren Programmierkenntnissen (PRU stand damals schon), Harald G. mit seinen literarischen Fähigkeiten und spontanen Anfällen von Arbeitswut und Christian als professioneller Kassier, das gab uns Hoffnung, daß wir zusammen etwas aufbauen konnten.
  Nach einigen Treffen und dem Beitritt von Dietmar Stark, den ich als Spezialist in Sachen Geselligkeit bezeichnen möchte, wurde die ARGE-FESTAK gegründet. Der Weg von der Arbeitsgemeinschaft zu einem Perry-Rhodan-Club wurde von vielen Richtungsgesprächen begleitet. Wohin woll­ten wir eigentlich? Es war Jürgen, der immer wieder Pflöcke einrammte und die Richtung mitbestimmte. Eine seiner liebsten Thesen lautete: „Weg vom Papier!“
  Gemeint war damit, der Perry-Rhodan-Fan hat mehr als genug Lesestoff, bieten wir ihm etwas anderes. Jürgen bekam das Ressort Modellbau zugeteilt, und begann zusammen mit Dieter einen arkonidischen 50-m-Ku­gel­raumer zu bauen. Auf seine Initiative hin begannen wir Lieder umzutexten, um auch an geselligen Abenden ein PR-Feeling zu bekommen. Er war es auch, der uns drängte, endlich unseren ersten Con zu veranstalten. Wer ihn besucht hat wird wissen, daß dies kein Con war mit der Zweiteilung: Hier die Vortragenden, dort das Publikum. Es war ein Con zum Anfassen, mit Workshops und vielen Möglichkeiten zum Kennenlernen, ganz im Sinne von Jürgen.
  Außer am Modellbau hing Jürgens Herz noch im Besonderen an der Simulation der Raum-Akademie Varynkor. Diese Simulation ist im Jahre 14.595 nach Arkon (ca. 3000 v. Chr.) angesiedelt. Es handelt sich um eine arkonidische Raum-Akademie, die kurz zuvor unter dem neuen Imperator SARAN III. gegründet wurde und erstmals auch Kolonialarkoniden, Mehandor (Sprin­ger) und Kah’lass (Überschwere) Zutritt ge­währte, eine Reaktion auf die zunehmende Degeneration der Arkoniden.
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